Druckschrift 
12 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 4 (1897) Schriften und Entwürfe 1881 - 1885 : Die Wiederkunft des Gleichen; Nachträge zur "Fröhlichen Wissenschaft"; Vorarbeiten und Nachträge zu "Also sprach Zarathustra"; Bruchstücke zu den Liedern Zarathustra's; Gedicht-Fragmente; Böse Weisheit: Aphorismen und Sprüche
Entstehung
Seite
136
Einzelbild herunterladen
 

136

Betracht ziehn war unmoralisch! Die That wird ge-than, was dabei auch herauskommt! Die Rück-sicht auf die gesammten Folgen einer That ist niebisher verlangt worden, und wer sie verlangte, würdedie Menschheit stille stehn machen. Die Folgen sind un-säglich und unerforschlich: die nächsten Folgen würdendurch die ferneren überwogen werden: jedes Verbrechenlässt sich so begründen.

9 -

Die moralischen Worte sind in den verschiedenstenZeiten eines Volkes dieselben: dagegen ist das Gefühl,welches sie begleitet, wenn sie ausgesprochen werden,immer im Wandeln. Jede Zeit färbt dieselben altenWorte neu: jede Zeit stellt einige dieser Worte, in denVordergrund und andre zurück, nun dies sind bekannteDinge! Man erlaube mir, einige Bemerkungen über denmoralischen Sprachgebrauch von heute zu machen.In dem Kreise, in dem ich gelebt habe, unterscheidetman gute Menschen, edle Menschen, grosse Menschen.Das Wortgut gebraucht man nach den wechselndstenGesichtspunkten: ja sogar nach entgegengesetzten: wieich gleich des genaueren zeigen werde. Wer edel ge-nannt wird, wird damit als ein Wesen bezeichnet, dasmehr als gut ist, nicht als besonders gut, sondernals verschieden vom guten Menschen, und zwar so,dass er mit diesem Worte einer höheren Rangclasse ein-gereiht wird. Ein grosser Mensch braucht nach demjetzigen Sprachgebrauche weder ein guter noch ein edlerMensch zu sein, ich erinnere mich nur eines Bei-spiels , dass ein Mensch dieses Jahrhunderts alle dreiPrädicate bekommen hat, und selbst von seinen Feinden: Mazzini.