worden wäre, — das ist leicht einzusehn: die Menschheitbesteht noch vermöge ihrer unüberwindlichen „Unmorali-tät“. A-ber, was vielleicht weniger einleuchtet und dochnicht weniger gewiss ist: auch der Einzelne, der nachseinem Glauben vollkommen war, als Vollstrecker seinesmoralischen Willens, ein Jesus, ein Epiktet, ein Zara-thustra, ein Buddha, auch ein solcher hat ebenso nurvermöge der tiefsten und gründlichsten „Unmoralität“ ge-lebt und fortgelebt, so wenig ihm dieselbe in’s Bewusst-sein getreten ist.
3 -
(Vgl. Bd. XI, Nachträge z. Morgenrötke, Aph. 128.)
Die Moral ist die Sache jener, welche sich von ihrnicht frei machen können: für sie gehört sie eben des-halb unter die „Existenz-Bedingungen“. Existenz-Bedin-gungen kann man nicht widerlegen: man kann sie nur— nicht haben!
4 -
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 53.)
Müssten nicht gerade die besten Menschen diebösesten sein? Die, bei denen das Wissen und Ge-wissen am feinhörigsten und kräftigsten ausgebildet ist,so dass sie alles, was sie thun, als ungerecht empfindenund sich selber als die Immer-Bösen, Immer-Unge-rechten, als die Nothwendig-Bösen? Wer sich aberso empfindet, ist es auch!
5 -
Im Grunde ist die Moral gegen die Wissenschaftfeindlich gesinnt: schon Sokrates war es, und zwar des-halb, weil sie Dinge wichtig nimmt, die mit gut und bösenichts zu thun haben, folglich dem „gut“ und „böse“