i. Aus dem moralischen Tagebuche.
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 97—113; Bd. XI, Nachträge zur Morgenröthe,Aph. 119—204; Fröhliche Wissenschaft, erstes Buch.)
I.
Das Meer nimmt ab, der Mensch, das feste Land,nimmt immer zu, — aber weil er nur sieht, dass sichalles verändert, so glaubt und fühlt er umgekehrt undmeint, seine Unfestigkeit sei im Wachsen, und er werdeschliesslich dem Meere nicht mehr Widerstand leistenkönnen. — Die Langsamkeit der Vorgänge in derGeschichte des Menschen ist nicht dem menschlichenZeitgefühl angemessen, — und die Feinheit und Klein-heit alles Wachsens spottet der menschlichen Sehkraft.Deshalb wird sie immer nur ein Glaubensartikel sein:diese wirkliche Menschengeschichte! Und deshalb hatsie so schweren Kampf gegen alle andern Glaubens-artikel, sie kann sich gleichfalls nicht ad oculos demon-striren. — Ja, wider alle unsre „Wahrheiten“ spricht derAugenschein und wird dabei leicht zum Advocaten allesScheins und selber der Lüge.
(Vgl. Fröhliche Wissenschaft, Aph. 1.)
An einem jeden Moralsystem wäre die Menschheitzu Grunde gegangen, wenn im grossen nach ihm gelebt