den nach seinem Ideale. So ist das Bild Spencer’svon der Zukunft des Menschen nicht eine naturwissen-schaftliche Nothwendigkeit, sondern ein Wunschaus jetzigen Idealen heraus.
162.
Meint ihr, ein Grieche, dem man unsere Culturschildere, werde dieselbe bewundern oder ersehnenswerthfinden? Oder selbst ein Wilder? Jeder Zustand hat seinIdeal aus sich: ein ganz anderer ist immer eine Art Wider-spruch zu diesem Ideal und deshalb peinlich und ver-ächtlich. Wonach soll der Begriff „Fortschritt derCultur“ gemessen werden! Jeder meint, er sei auf derHöhe, und sein Ideal sei das Ideal der Menschheit. DieGeschichte dieser Geschmacke an Idealen! — Auch fehltan jedem Ideal das, was einem andern Ideal seinen Werth,seine Schmackhaftigkeit für seine Verehrer giebt.Nun, giebt es denn einen Fortschritt der Küche? Ja,innerhalb einzelner Kreise, Völker, Städte, Familien, dasIdeal entwickelt sich. — Das freie Individuum hatseinen Privatgeschmack, es muss sehr stark sein, sonstwird es ein Gelüstchen sein und nicht mehr, im Ver-hältniss zu Familien- und Volksgeschmack.
163.
(Vgl. oben S. 65, Aph. 110.)
Ich erkenne etwas Wahres nur als Gegensatz zueinem wirklich lebendigen Unwahren: so kommt dasWahre ganz kraftlos, als Begriff, zur Welt und muss sichdurch Verschmelzung mit lebendigen Irrthümernerst Kräfte üben! Und darum muss man die Irrthümerleben lassen und ihnen ein grosses Reich zugestehn. —Ebenso: um individuell leben zu können, muss erst die