77
129 .
(Vgl. oben S. 29, Aph. 45.)
In wiefern der Sinn der Redlichkeit die phan-tastische Gegenkraft der Natur zu reizen vermag! Obwirklich die Menschen nüchterner werden? — Wir be-greifen ja nur durch ein phantastisches Vorwegnehmenund Versuchen, ob die Realität zufällig in dem Phan-tasiebild erreicht ist; namentlich in der Historie u. s. w.Thukydides und Tacitus müssen Dichter sein. Selbstin der Wissenschaft der einfachsten Vorgänge ist Phan-tasie nöthig (zum Beispiel Mayer), — aber hier kannnoch die Täuschung entstehn, als ob Nüchternheit pro-ductiv wäre!
130.
(Vgl. Bd. XI, Nachträge z. Morgenröthe, Aph. 561.)
Wir wollen nach den andern, nach allem, was ausseruns ist, trachten als nach unserer Nahrung. Oft auchsind es die Früchte, welche gerade für unser Jahr reifgeworden sind. — Muss man denn immer nur den Egois-mus des Räubers oder Diebes haben? Warum nicht dendes Gärtners? Freude an der Pflege der andern, wie dereines Gartens!
131-
(Vgl. Bd. XI, Nachträge zur Morgenröthe, Aph. 350.)
Das Erkennenwollen der Dinge, wie sie sind,— das allein ist der gute Hang: nicht das Hinsehennach andern und das Sehen mit andern Augen, — daswäre ja nur ein Ortswechsel des egoistischen Sehens!Wir wollen uns von der grossen Grundverrücktheit heilen,alles nach uns zu messen. Selbstliebe ist ein falscher,zu enger Ausdruck. Selbsthass und alle Affecte sind fort-während thätig mit diesem kurzen Sprunge, als ob alles