also wissenschaftlicher Sinn? Vielleicht das Ver-langen nach einem Ideale und der Glaube, hier den Wegzum Absoluten, zum unwidersprechlichen Ideale zuhaben: also unter der Voraussetzung, dass man kein Idealhat und daran leidet! — Bei vielen mag es die Rachesein, dafür dass sie kein Ideal haben, indem sie die andernzerstören. Es giebt eine Schauspielerei (wie bei Bacon),als ob man ein Ideal hätte. „Die Wahrheit um *ihrerselber willen“ ist eine Phrase, etwas ganz Unmög-liches, wie die Liebe des Nächsten um seiner selberwillen.
122.
Diese Toleranzprediger! Ein paar Dogmen („fun-damentale Wahrheiten“) nehmen sie doch immer aus!Sie unterscheiden sich nur in der Meinung darüber vonden Verfolgern, was für das Heil nothwendig sei.
123.
Sich an die Vernunft halten wäre schön, wenn eseine Vernunft gäbe! Aber der Tolerante muss sich vonseiner Vernunft, ihrer Schwäche abhängig machen! Dazu:es ist zuletzt nicht einmal diese, welche den Beweisenund Widerlegungen ihr Ohr schenkt und entscheidet.Es sind Neigungen und Abneigungen des Geschmacks.Die Verfolger sind gewiss nicht weniger logisch ge-wesen als die Freidenker.
124.
(Vgl. oben S. 7, Aph. 2 ff., S. 69, Aph. 120.)
Im Grunde ist die Wissenschaft darauf aus, festzu-stellen, wie der Mensch — nicht das Individuum —