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ten zu können. Dieser Vorgang ist schon im Sehen.Es ist eine freie Production in allen Sinnen, der grössteTheil der sinnlichen Wahrnehmung ist errathen. Allewissenschaftlichen Bücher langweilen, die diesem errathenwollenden Triebe kein Futter geben: das Sichere thutuns nicht wohl, wenn es nicht Nahrung für jenen Triebsein will!
119.
(Vgl. Menschliches I, Aph. r6; Fröhliche Wissenschaft, Aph. 57.)
Das Grossartige in der Natur, alle Empfindungendes Hohen Edlen Anmuthigen Schönen Gütigen StrengenGewaltigen Hinreissenden, die wir in der Natur und beiMensch und Geschichte haben, sind nicht unmittelbareGefühle, sondern Nachwirkungen zahlloser und einver-leibter Irrthümer, — es wäre alles kalt und todt füruns, ohne diese lange Schule. Schon die sicheren Liniendes Gebirgs, die sicheren Farbenabstufungen, die ver-schiedene Lust an jeder Farbe sind Erbstücke: irgend-wann war diese Farbe weniger mit gefahrdrohenden Er-scheinungen verknüpft als eine andere und allmählichwirkte sie beruhigend (wie das Blau).
120.
(Vgl. oben S. 7 ff., Aph. 2, 3; Fröhliche Wissenschaft, Aph. 110.)
Ich bin immer erstaunt, in’s Freie tretend, zu denken,mit welcher herrlichen Bestimmtheit alles auf uns wirkt,der Wald so und der Berg so, und dass gar kein Wirr-warr und Versehen und Zögern in uns ist, in Bezug aufalle Empfindungen. Und doch muss die allergrösste Un-sicherheit und etwas Chaotisches dagewesen sein, erst inungeheuren Zeitstrecken ist das alles so fest vererbt.Menschen, die wesentlich anders empfanden, über Raum-