der Gesellschaft gegen andre Gesellschaften und Ein-zelne und alles Lebende und Todte empfinden, und nichtals Individuen! Zum Beispiel er fürchtet und hasst stärkerund am stärksten als Mitglied eines Geschlechts oderStaates, nicht seinen persönlichen Feind, sondern den öffent-lichen; ja er empfindet den persönlichen Feind wesentlichals einen öffentlichen (Blutrache). Er zieht in den Krieg,um seinen Staat und Häuptling zu bereichern und ihm zumUberersatz zu verhelfen, mit jeder persönlichen Gefahr derVerkümmerung Entbehrung Verstümmelung. Er assimi-lirt als Mitglied seiner Gesellschaft Fremdes an sich, lerntfür deren Wohl; er verachtet, was von Eigenschaftennicht mehr zum Bestände der Gesellschaft nützt, er stösstdie höchsten Individuen von sich, wenn sie diesem Nutzenwidersprechen. Er verwandelt sich zum Organ im Diensteseiner Gesellschaft durchaus und macht von allen Eigen-schaften nur den dadurch eingeschränkten Gebrauch;richtiger: er hat jene andern Eigenschaften noch nichtund erwirbt sie erst als Organ des Gemein-wesens; als Organ bekommt er die ersten Re-gungen der sämmtlichen Eigenschaften des Or-ganischen. Die Gesellschaft erzieht erst das Einzel-wesen, formt es zum Halb- oder Ganz-Individuum vor,sie bildet sich nicht aus Einzelwesen, nicht aus Ver-trägen solcher! Sondern höchstens als Kernpunkt ist einIndividuum nöthig (ein Häuptling), und dieser auch nurim Verhältniss zu der tieferen oder höheren Stufe derandern „frei“. Also: der Staat unterdrückt ursprüng-lich nicht etwa die Individuen: diese existiren noch garnicht! Er macht den Menschen überhaupt die Existenzmöglich, als Heerdenthieren. Unsre Triebe, Affectewerden uns da erst gelehrt: sie sind nichts Ur-sprüngliches! Es giebt keinen „Naturzustand“ für sie!
Druckschrift
12 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 4 (1897) Schriften und Entwürfe 1881 - 1885 : Die Wiederkunft des Gleichen; Nachträge zur "Fröhlichen Wissenschaft"; Vorarbeiten und Nachträge zu "Also sprach Zarathustra"; Bruchstücke zu den Liedern Zarathustra's; Gedicht-Fragmente; Böse Weisheit: Aphorismen und Sprüche
Entstehung
Seite
50
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten