39
Organismus zu unterhalten, so würde doch nichts fehler-hafter sein, als nun zurückzuschliessen, dass im niedrigstenOrganismus es eben auch die AfFecte seien, welche hierselbstreguliren, assimiliren, excretiren, umwandeln, regene-riren, — also AfFecte auch da vorauszusetzen, Lust Un-lust Willen Neigung Abneigung. Es wäre ein so tollerFehler, als wenn man, nach der Thatsache des Blutum-laufs im menschlichen Körper, auf einen ähnlichen Blutum-lauf für die niedrigsten Organismen schliessen wollte. —Unsre AfFecte setzen Gedanken und Geschmäcker voraus,diese ein Nervensystem u. s. w.
Wir sehen, so weit als wir empfinden, — Empfindungist aber Idiosynkrasie, also ist auch Sehen (Umkreis undGrad der Deutlichkeit) Idiosynkrasie.
66 .
Ich rede von Instinct, wenn irgend ein Urtheil(Geschmack in seiner untersten Stufe) einverleibt ist,so dass es jetzt selber spornt und sich regt und nichtmehr auf Reize zu warten braucht. Er hat sein Wachs-thum für sich und folglich auch seinen nach aussenstossenden Thätigkeits - Sinn. Zwischenstufe: der Halb-instinct, der nur auf Reize reagirt und sonst todt ist.
67.
Merkwürdige Thätigkeit des Intellects! Beim Ge-schlechtstrieb begehrt eine Person nach der andern alsdem Mittel, um den Samen los zu werden oder das Eizu befruchten. Dies gerade weiss der Intellect nicht: erfragt: warum dies Begehren? Er erwägt, was alles einePerson begehrenswerth macht, und sagt jetzt: es mussjene Person diese begehrenswerth machenden Eigen-schaften alle haben! — So schliesst er und glaubt nun-