12
möglich ist, wohl aber muss das Vorstellen an beideglauben. — Kurz: was das Denken als das Wirklichefasst, fassen muss, kann der Gegensatz des Seien-den sein!
6 .
(Vgl. Bd. XI, Nachträge zur Morgenröthe, Aph. 209, 226; Jenseitsvon Gut und Böse, Aph. 4, 34.)
Wir würden ohne die Annahme einer der wahrenWirklichkeit entgegengesetzten Art des Seins nichtshaben, an dem es sich messen und vergleichen und ab-bilden könnte: der Irrthum ist die Voraussetzung des Er-kennens. Theilweises Beharren, relative Körper, gleicheVorgänge, ähnliche Vorgänge, — damit verfälschenwir den wahren Thatbestand, aber es wäre unmöglich,von ihm irgendetwas zu wissen, ohne ihn erst so ver-fälscht zu haben. Es ist nämlich so zwar jede Erkennt-nis immer noch falsch, aber es giebt doch so ein Vor-stellen, und unter den Vorstellungen wieder eine MengeGrade des Falschen. Die Grade des Falschen festzu-stellen und die Nothwendigkeit des Grundirrthums alsder Lebensbedingung des vorstellenden Seins —Aufgabe der Wissenschaft. — Nicht: wie ist der Irrthummöglich, heisst die Frage, sondern: wie ist eine ArtWahrheit trotz der fundamentalen Unwahrheit im Er-kennen überhaupt möglich? — Das vorstellende Seinist gewiss, ja unsre einzige Gewissheit: was es vorstelltund wie es vorstellen muss, ist das Problem. Dass dasSein vorstellt, ist kein Problem, es ist eben die That-sache: ob es ein andres als ein vorstehendes Sein über-haupt giebt, ob nicht Vorstellen zur Eigenschaft desSeins gehört, ist ein Problem.