IO
Vorstellens und Glaubens. Wenn wir alles Nothwen-dige in unsrer jetzigen Denkweise feststellen, so habenwir nichts für das „Wahre an sich“ bewiesen, sondern nur„das Wahre für uns,“ das heisst das Dasein-uns-Ermög-lichende auf Grund der Erfahrung, — und der Processist so alt, dass Umdenken unmöglich ist. Alles a priorigehört hierher.
4 -
Die Vernunft! Ohne Wissen ist sie etwas ganzThörichtes, selbst bei den grössten Philosophen. Wiephantasirt Spinoza über die Vernunft! Ein Grund-irrthum ist der Glaube an die Eintracht und das Fehlendes Kampfes, — dies wäre eben Tod! Wo Leben ist,ist eine genossenschaftliche Bildung, wo die Genossenum die Nahrung, den Raum kämpfen, wo die schwäche-ren sich anfügen, kürzer leben, weniger Nachkommenhaben. Verschiedenheit herrscht in den kleinsten Dingen,Samenthierchen, Eiern, — die Gleichheit ist ein grosserWahn. Unzählige Wesen gehen am Kampf zu Grunde, —einige seltene Fälle erhalten sich. — Ob die Vernunftbisher im ganzen mehr erhalten als zerstört hat, mit ihrerEinbildung, alles zu wissen, den Körper zu kennen, zu„wollen“ —? Die Centralisation ist gar keine so voll-kommne, — und die Einbildung der Vernunft, diesCentrum zu sein, ist gewiss der grösste Mangel dieserV ollkommenheit.
D-
(Vgl. Jenseits von Gut und Böse, Aph. 16; Götzendämmerung, die Vernunftin der Philosophie; Bd. XI, Nachträge zur Morgenröthe, Aph. 242, 244.)
Grundgewissheit. — „Ich stelle vor“, also giebtes ein Sein: cogito, ergo est. — Dass ich dieses Vorstellendes Sein bin, dass Vorstellung eine Thätigk'eit desIch ist, ist nicht mehr gewiss: ebensowenig alles, was