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geschichte der Sitte und Sittlichkeit, anderseits aber deutet sieauf neue Gedankenwelten hinaus: gewisse grundlegende Ideender späteren Zeit (die Lehre von den Trieben als den bedingen-den Grundfactoren des Intellectes wie der Moralität, dieTheorie vom rein perspectivischen Grundcharakter aller Wahr-heit, die Lehre vom Willen zur Macht als dem innersten Kernalles Lebendigen) werden hier zuerst ausgeführt. Dieses Zu-kunftsgesicht enthüllt sich weniger in der gedruckten „Morgen-röthe“, als in den bis jetzt ungedruckt gebliebenen Vorarbeiten.Nietzsche hat nur einen Theil der concipirten und aufgezeich-neten Gedanken in sein Buch aufgenommen, den andernerst im Stillen weiter ausreifen lassen: wie er selbst einmal sagt,ind alle seine Bücher, ihrer inneren Entstehung nach, zurück-zudatiren. Diese „Nachträge“ sind daher in ihren Haupttheilenmehr als eine blosse Nachlese. Dass das Jahr 1880 der Concep-tionsherd einer neuen, fruchtbaren Gedanken-Entwicklung ge-wesen ist, wird erst aus dem Studium dieser Gedanken ganz sichtbar.
Die „Nachträge“ sind entnommen, erstens einem ,, Ombradi Venezia" betitelten Hefte, das Herr Peter Gast von MitteMärz bis Ende Juni 1880 in Venedig nach Dictaten Nietzsche’sgeschrieben hat, und zw-ei Notizbüchern mit eigenhändigen Auf-zeichnungen, nach denen Nietzsche Herrn Peter Gast dictirthat; ferner aus drei Heften und einem Convolut loser Blättermit Aufzeichnungen Nietzsche’s aus dem Sommer und Herbst1880, endlich aus Nietzsche’s eigenhändiger letzter Niederschriftdes Textes, die in dem schon erwähnten Hefte die „Pflug-schar“ enthalten ist.
Unter den Entwürfen befindet sich folgende, unverwendetgebliebene Disposition, die sich auf das Gedanken-Material derMorgenröthe bezieht:
1. Das verschiedene Wachsthum der Triebe unter demKlima der verschiedenen moralischen Grundurtheile.
Wachsthum gegen das verwerfende Urtheil kann ge-leitet sein
a) durch Furcht (deren Wirkung bei Darwin),
b) durch Stolz und Trotz (Strafe und Grausamkeit).