wo ihn jene verabscheuten, und da nicht immer schön,wo ihn jene verherrlichten. Was ist hier schön undhässlich? Das Complicirt-Zweckmässige, was den Ver-stand irrt und überlistet, das Taschenspielerhafte daran;dann die Ausdrucksfähigkeit und die Macht des Aus-drucks selber. Der grosse Bogen seiner Pläne und Ideale.Seine Geschichte. Seine Art, sich zu berauschen. Es istein Studium ohne Ende, dieses Thier! Es ist kein Schmutz-fleck in der Natur, das haben wir erst hineingelegt. Wirhaben diesen „Schmutz“ zu oberflächlich behandelt. Esgehören Niederländer-Augen dazu, auch hier die Schön-heit zu entdecken.
612.
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 429, 539.)
Wenn wir essen, spazieren gehen, gesellig oder ein-sam leben, es soll bis in’s Kleinste die hohe Absichtunsrer Leidenschaft uns dabei bestimmen, und zwarso, dass sie die Vernunft und die Wissenschaft in ihrenDienst genommen und mit tiefer Gluth die gerade fürsie passenden Weisungen von ihr abfragt. Nicht blindsein, wenn auch grossen Trieben folgen: sondern dieganze bisherige Erkenntniss heranziehn: s o allein denktman hoch genug von sich: alles was bisher erkanntwurde, ist werth, deiner Leidenschaft zu dienen. Wer sichleicht mit der Wissenschaft abfindet oder phantastischwird bei ihrem Gebrauche, hat nicht die tiefe untrüglicheEhrfurcht vor seiner Leidenschaft, der kein Opfer zugross ist. Unser Wesen auf die ganze Welt bisherigerErfahrungen der Menschheit stützen! — Ihr macht Parteiund übt Liebe und Hass, — hättet ihr mehr Ehrfurchtvor eurem Werk, hieltet ihr es ernstlich für eine wich-tige Angelegenheit, so würdet ihr Grauen empfinden,