Druckschrift 
11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
Entstehung
Seite
412
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euer Urtheil so zu blenden, ihr müsstet mit Gluth dieErkenntniss befragen und über euch selber redlichwerden. Die Leidenschaft treibt uns immer wieder ausunsrer Ruhe hinaus: unser Ideal will immer höhere Be-stätigungen und Opfer, und dadurch selber immer wach-sen und sich reinigen. Ihr seid in euch verliebt,aber es ist eine vorübergehende Laune, ein kleines Stück-chen Geschlechtstrieb, ihr ahnt es auch, dass man Launenmit Launen befriedigen muss, ihr seid nur beliebig!Oder ihr seid ehrgeizig verliebt in euer Ideal undthut für dasselbe alles, was unter Menschen Aufsehenund Ansehen macht, es ist euch Öffentlichkeit eurerLeidenschaft nöthig, im Stillsten und Geheimsten lang-weilt ihr euch dabei. Ihr schafft euer Werk, aber dasSpiegelbild euer selbst in den Köpfen andrerist das Ziel, das hinter dem Werke steht, es ist ein Ver-grösserungsglas, das ihr den andern vor die Augen haltet,wenn sie nach euch hinblicken!

613.

(Vgl. oben S. 334, Aph. 359.)

Ich wünsche, der Wissenschaft etwas die Feierlich-keit zu nehmen, es ist jetzt eine Lustbarkeit geworden,da keine Sorgen hinter ihr sind. Ich glaube, es ist baldein Überschuss von Geist da, der verschwendetwerden muss!

Bis jetzt machen wir uns die Dinge noch schwer(zum Beispiel bei der Übervölkerung), weil wir nichtwagen, unsre neuen Werthschätzungen durchzuführen.Man muss es bald dem Leben anmerken, dass mit einemÜberschuss von Geist gelebt wird!