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daraus eine angenehme Gewöhnung: und dann istes Lügnerei, noch von seiner Pflicht zu reden. Aber esgeschieht fast immer. Fast jeder stellt seine Thätigkeit alseine unangenehme Sache vor, er will wegen seiner Selbst-überwindung, das heisst wegen seiner Macht bewundertwerden. Es giebt so viele erlogene Unannehmlich-keiten des Daseins! Ebenso viele erlogene Annehmlich-keiten, bei Fürsten Frauen Festen Müssiggängern Reisen-den Christen Tugendhaften Völkern Parteien PhilosophenSchriftstellern: man stellt sein „Glück“ aus, meist um da-mit weh zu thun, Neid zu erregen.
480.
Wer seinem höheren Selbst nicht angehört hat, son-dern der Gesellschaft dient oder einem Amt oder einerFamilie, der spricht immer von „Pflichterfüllung“, — damitsucht er sich zu beschwichtigen. Namentlich aber forderter von andern den Gehorsam gegen die bestehende Ord-nung: er rechtfertigt sich, indem er Gewalt vermögeseiner Handlungsart ausübt.
481.
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 528, 568.)
Du weisst wohl, es ist eine Ehrensache, öffentlichüber den Charakter und die Motive eines Menschen zureden. Freund! Es ist auch eine Ehrensache, über siebei dir nachzudenken! Die Sache deiner Ehre vordeinem eigenen Schiedsgericht.
482.
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 104.)
Unsre späteren Werthschätzungen bilden sich nachAnalogie der angelernten, wie ein angefangenes Hausausgebaut' wird.