369
464.
(Vgl. Fröhliche Wissenschaft, Aph. 14.)
Niemals sich lieben lassen, sondern wo man nichtden Impuls der Gegenliebe fühlt, dann die Liebe desandern verhindern, und wenn es nöthig wäre, ihn ver-spotten, ja uns vor ihm erniedrigen. Künstler (undWeiber!) werden durch nichts gemeiner, als durch dasSich-lieben-lassen. Wir sollen verhindern, dass wir dasIdeal eines andern werden: so vergeudet er seine Kraft,sich seibersein ganz eignes Ideal zu bilden, wir führen ihnirre und von sich ab, — wir sollen alles thun, ihn aufzu-klären oder wegzustossen. — Eine Ehe, eine Freundschaftsollte das Mittel sein (das seltene!), unser eignes Ideal durchein andres Ideal zu stärken: wir sollten das Ideal desandern auch sehen und von ihm aus das unsrige!
4 6 5 -
Die Ehre einer Geliebten schonen, indem man sichin einem Kreise, wo man über sie spricht, ihr fast fremdstellt, und jetzt eine Beleidigung ihrer zu hören, welcheman nicht rächen darf, um ihren Ruf nicht zu vernichten— grässlich!
466.
Die Alten trauten den Frauen in der Leidenschaftdas eigentlich Unmenschliche und Unglaubliche zu, —zur Zeit des Aschylus.
467.
(Vgl. oben S. 361, Aph. 440.)
Wer die Krallen jener schönen Katzen erfahren hat,die um die grossen Künstler schwärmen, ist nicht mehrder Meinung, dass das Genie den Charakter seiner Um-gebung verbessere.
Nietzsche, Werke II. Abtheilung BandXl. 24