460.
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 512.)
Wer die Pein erfahren hat, die Wahrheit zu sagen,trotz seiner Freundschaften und Verehrungen, scheutsich gewiss vor neuen.
461.
Gleichheit im Humor, Milde und natürliche Heiter-keit machen das glückliche Privatleben. Der letzte Grund:von nichts tief bewegt werden. Man nennt esPhilosophie, wenn sich diese Indifferenz nicht nur in Be-zug auf das, was die andern interessirt, sondern in derTribulation des Persönlichen zeigt.
462.
(Schluss von Aph. 210 der Morgenröthe. — Vgl. Genealogie der Moral,3. Abhdlg., Abschn. 6; Götzendämmerung, Streifzüge eines Unzeitgemässen,
No. 22.)
Welches ist der Zustand, in welchem jemand einDing schön nennt? Vielleicht der, wo er an das er-innert wird, was ihn glücklich zu machen pflegt.
463-
Wenn wir das Gute, das wir einem Besitze ver-danken, bei allem Bemühen, es zu überschauen, nichtmehr zu überschauen vermögen, so entsteht Liebe: einÜberströmen gegen etwas Unbegrenztes; es fehlt ihr dieKenntniss des ganzen Werthes einer Sache oder Person,weil keine Wage gross genug ist, zu fassen. Man bringtalles Höchste, das man kennt, zur Vergleichung heran;lieben wir, so denken wir fortwährend an alles Höchstealler Art, und weil es uns immer zugleich mit dem ge-liebten Gegenstände einfällt, so verwechseln wir es auchwohl mit ihm.