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liehe malt: welche Martern sind den Tönen zu eigen,den aufdringlichen Tönen! — Liegt es daran, dass unterden Musikern ein feiner und wohlgestalteter Geist über-haupt selten ist? Dass sie das Fühlen in sich nie isolirenund seine Strahlenbrechung und Farbigkeit im Blitz desGedankens nicht kennen? Sie müssen alle Zustände ver-gröbern, gleichsam in’s Unmenschliche zurückübersetzen:wie als ob die Gedanken und die Worte noch nicht er-funden seien. Dies ist übrigens ein grosser Reiz: es istUrnatur in der Musik: sie gehört in die Zeit, wo mandie wilde Natur der Landschaft verehrt und die Hoch-gebirge entdeckt hat. Einer Gesellschaft, welche dengeistigen Genüssen nicht gewachsen ist, welche selbstzu gedankenarm für Gemälde ist, und überhaupt ihreKopf-Kraft schon verthan hat, wenn sie sich anschickt,sich zu ergötzen, bleibt der Appell an die Gefühle undSinne, und in diesen bietet die Musik die anständigsteErgötzung. Schon gemeiner ist der Theatergenuss, mitdem Conterfei menschlicher Vorgänge und dem grobenReize der directen Nachahmung aufregender Scenen.Ein Schritt weiter: und wir haben, zur Erholung, dieErregung der Triebe durch Getränke u. s. w. — DerDichter steht höher als der Musiker, er macht höhereAnsprüche, nämlich an den ganzen Menschen; und derDenker macht noch höhere Ansprüche: er will die ganzegesammelte frische Kraft und fordert nicht zum Ge-messen sondern zum Ringkampf und zur tiefsten Ent-sagung aller persönlichen Triebe auf.
416.
(Vgl. oben S. 109, 112, der neue Umblick, Aph. 66, 77; Fall Wagner,
Abschn. 8.)
Das Nachdenken und die Erfindsamkeit in Bezugauf die elementaren Reize (in Musik und Farben u. s. w.)
Nietzsche, Werke II. Abtheilung Band XI.
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