343
3) Sie lesen zu viel und sind eifrig servil gegen eineherrschende Partei oder IIof.
4) Sie machen Musik, nicht um eine Passion zu er-tragen und sich zu erleichtern, sondern um sich aufzu-regen !! Deshalb brauchen sie die leidenschaftlichsteMusik.
383-
(Zu Aphorismus 207 der „Morgenröthe“ gehörig.)
Man muss auch die deutschen langweiligen Frauenmit in den Kauf nehmen: welche zugleich trägen, mitsich zufriednen Geistes, als auch lebhaft, empfindlich undnachträgerisch sind. Aber auch ihnen sagt man nach,dass sie in ausserordentlichen Lagen stark wie Löwinnensind und fein genug, um durch ein Nadelöhr zu kriechen.
384-
Suche doch ja der Ausländer die Naivetät oder gardie Ursprünglichkeit nicht mehr bei den Deutschen! InFrankreich ist die Naivetät durch den Hof erstickt wor-den, in Deutschland durch die Genies! — Man hat garzu lange mit ihr Theater gespielt und Krieg geführt. Dasvermochte der verfluchte neidische Dünkel in allen jenenGenies, welche den Franzosen ihren Geist und ihre an-muthige Beweglichkeit und den Griechen ihre Ursprüng-lichkeit nicht verzeihen konnten und die „deutsche Naive-tät“ dagegen in’s Feld führten. Aber es giebt nicht nurGespenster, welche verschwinden, wenn man von ihnenspricht, sondern auch wirkliche Eigenschaften bei Völkernund Einzelnen.
385-
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 201; Fröhliche Wissenschaft, Aph. 375; Jenseits,
Aph. 224.)
Die Deutschen haben Misstrauen, dass man ihnenLeidenschaften zutraue, — deshalb machen sie sofort