vor sich, sie haben kein fröhliches Gewissen. Ein guterRäuber, ein guter Rächer, Ehebrecher, — das zeichnetedas italiänische Mittelalter und die Renaissance aus, siehatten den Sinn zur Vollständigkeit. Bei unsfürchten sich die Tugenden und die Laster, die’ öffent-liche Meinung ist die Macht der Halben und Mittel-mässigen, der schlechten Copien, der zusammenge-stohlenen Allerweltsmenschen.
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Die feine höfische Cultur unter Ludwig XIV. hattein vielen Stücken den Stoicismus nöthig; viele Empfin-dungsstürme musste man in’s Herz verschliessen, vieleMüdigkeit verhehlen, vielen Schmerz mit Heiterkeit be-decken. Unsern bequemen Mitmenschen würde dieseLebensart zu streng sein.
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In unsern Schulen wird die jüdische Geschichte alsdie heilige vorgetragen: Abraham ist uns mehr als irgendeine Person der griechischen und deutschen Geschichte,und von dem, was wir bei David’s Psalmen empfinden,ist das, was das Lesen Pindar’s oder Petrarca’s in unserregt, so verschieden wie die Heimath von der Fremde.Dieser Zug zu Erzeugnissen einer asiatischen sehr fernenund sehr absonderlichen Rasse ist vielleicht inmitten derVerworrenheit unsrer modernen Cultur eine der wenigensichern Erscheinungen, welche noch über dem Gegensatzvon Bildung und Verbildung erhaben stehen: die stärkstesittliche Nachwirkung des Christenthums, welches sichnicht an Völker sondern an Menschen wendete und des-halb gar kein Arg dabei hatte, den Menschen der indo-germanischen Rassen das Religionsbuch eines semitischen