Druckschrift 
11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
Entstehung
Seite
306
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3°6

Mitleid, das generell mit dem Leide einer Person leidet,nicht mit dem bestimmten Leide. Das Gefühl, jemandleidet, den wir lieben, der in unsrer Pflege oder Machtsteht, ist ganz persönlich, gewöhnlich mit dem Argerüber unsre Ohnmacht verknüpft (beim Mitleid kanndie Fähigkeit, sich die Art des Leidens vorzustellen, sehrgering sein).

298.

(Vgl. Morgenröthe, Aph. 142.)

Das Gefühl der Sympathie könnte aus dem Gegen-satz entstanden sein: die Furcht und die Antipathiegegen das Fremde, Andere ist das Natürliche. Nun trittder Fall ein, wo dies Gefühl schweigt, keine Furcht: wirbeginnen dies Ding zu behandeln wie uns selber.

299.

(Vgl. Menschliches, Allzumenschliches I, Aph. 98.

Thiere gleicher Art schonen sich vielfach gegenseitig,nicht aus einem wunderbaren Instincte des Mitgefühls,sondern weil sie bei einander gleiche Kraft voraussetzenund sich als unsichere Beute betrachten; sie versuchenes, von Thieren andrer Art zu leben und sich ihrer zuenthalten. Daraus bildet sich die Gewöhnung, von ein-ander abzusehen und endlich Annäherung und der-gleichen. Schon die Absicht, Weibchen oder Männchenan sich zu locken, kann die Thiere bestimmen, in Hin-sicht auf ihre Art nicht schrecklich zu erscheinen, sondernharmlos. In ritterlichen Zeitaltern wird der Mann um soartiger und huldvoller gegen alle Frauen, je stolzer undfurchtbarer er gegen alle Männer erscheint; nur so lockter das Weibchen.