2g6
2 75 -
(Vgl. Menschliches, Allzumenschliches I, Aph. 39.)
Nicht die vergessenen Motive und die Gewöhnungan bestimmte Bewegungen ist das Wesentliche (wie ichfrüher annahm), sondern die zwecklosen Triebe von Lustund Unlust; man will das Angenehme und nicht wegendes damit zu erlangenden Vortheils, sondern weil dieHandlung selber angenehm ist. Der Zweck wird er-reicht, aber nicht gewollt. Die Arten von lustvollen Be-wegungen , welche dem Zweck der Erhaltung dienen,sind durch Selection erhalten.
276.
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 125.)
Moralität, wenn nothwendig Verantwortlichkeit, dannnur die Handlungen, die aus klarstem Verstände hervor-gegangen, die oberflächlichsten, deren Motive wir kennenkönnen. „Warum habe ich dies gethan?“ Bei den ausdem Gemüth kommenden ist Verantwortlichkeit unmög-lich, weil wir die Motive nicht kennen. Insofern hiessemoralisch handeln, immer nur oberflächlich handeln, ohnePassion, Nachdruck; Verantwortlichkeit ist eine Gross-thuerei. Wo wir empfinden, sind wir unverantwort-lich, also „unmoralisch“? — Der Glaube an die Freiheitgenügt zur Moralität: die Illusion.
277.
{Vgl. Morgenröthe, Aph. 129; Götzendämmerung, die vier grossen Irr-thiimer, Abschn. 3.)
Sind Vorstellungen wirklich Motive unsrer Hand-lungen? Sind sie nicht vielleicht nur Formen, unterdenen wir unsre Handlungen verstehen, ein Nebenher,welches der Intellect bei solchen Handlungen, die über-