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11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
Entstehung
Seite
288
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256.

Was heissteinen Gedanken verstehen? Erregt eine Vorstellung, diese regt Wahrnehmungen, dieseregen Gefühle auf, so giebt endlich der Stein einendumpfen Ton, wenn er unten im Grunde angelangt ist:diese Erschütterung des Grundes nennen wirverstehen.Ursache und Wirkung finden hier nicht statt, nur Asso-ciation: bei diesem Wort ist diese Vorstellung gewöhnt,erregt zu werden: wie dies möglich ist, weiss niemand.UnserVerstehen ist etwas Unverständliches, und jeneletzte Resonanz in unsern Trieben ist doch nicht mehrals ein neues grosses Unbekanntes.

Lüge ist Erregung jenes Grundes unsres Nächstenin der Art, dass ein Trieb bei ihm wach wird, zu dessenBefriedigung er nicht kommen kann, weil gerade dieNatur der Dinge eine andre ist: also ein unerfüll-bares Bedürfniss erregen ist lügen.

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Wir empfinden peinlich, dass jemand uns gering-schätzt. In einem hohen Moment der Stimmung sehnwir auf diese peinliche Empfindung hin und zurück, wieauf etwas Fernes, das uns kaum noch an gehört, dieEmpfindung wird fast zum Wissen darum. Fast alleDinge, von denen wir nur diese Empfindung des Wissensdarum haben, scheinen uns ferne und ausser uns, der

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leidende oder angenehme Trieb als Fundament darin istuns kaum mehr bemerkbar. Aber er muss darin sein,das Gedächtniss merkt nur Thatsachen der Triebe: eslernt nur, was in einen Gegenstand eines Triebes ver-wandelt ist! Unser Wissen ist die abgeschwäch-teste Form unsres Trieblebens: deshalb gegen diestarken Triebe so ohnmächtig.