nunft, die Mutter der Scheinerkenntnisse und der „plötz-lichen Erleuchtungen“ (wo der Glanz einer Idee mit demLichte der Wahrheit verwechselt wird); beide, die Ver-nunft und die Phantasie, sind gebärend, aber letzterewird leichter befruchtet und setzt viel mehr Missgeburtenund Mondkälber in die Welt. Vernunft ist eine Phantasie,welche durch Schaden klug geworden ist, vermöge deszunehmend besseren Sehens, Hörens und Sich-erinnerns.
249.
Unsre Meinungen: die Haut, die wir uns umlegen,in der wir gesehen werden wollen, oder in der wir unssehen wollen; das Äusserlichste, der Schuppenpanzer umdie Gedanken eines Menschen; so scheint es. Anderseitsist diese Haut ein Erzeugniss, wir wissen nicht welcherKräfte und Triebe, eine Art Ablagerung, fortwährendsich stückweise lösend und neubildend. — Lautbilder undSehbilder als Hieroglyphen für bestimmte Eindrücke undGefühle sind das Material der Meinungen, Verfeinerungendes Ohrs und Gesichtssinns und eine Relation zwischenbeiden.
250.
Der Gedanke ist, ebensowohl wie das Wort, nur einZeichen: von irgend einer Congruenz des Gedankensund des Wirklichen kann nicht die Rede sein. DasWirkliche ist irgend eine Triebbewegung.
251-
Unsre Gedanken sind als Geberden anzusehen,unsern Trieben entsprechend wie alle Geberden. Darwin’sTheorie ist heranzuziehen.