Druckschrift 
11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
Entstehung
Seite
272
Einzelbild herunterladen
 

wie wir ehemals mit unsern Trieben und Triebchen das zuersetzen und verstehen meinten, mit Neigung und Hass, Willeoder Zweck u. s. w. Die Welt als eine Menschen-Welt istuns ein Gelächter geworden: wie die Astrologie. UnsreStellung zu dieser Welt möglichst pathetisch einzunehmen,war das Bestreben aller Philosophen: die Idealisten zu-letzt wussten uns zur Hauptsache zu machen und dieWeltzu einer Art Erzeugniss von uns: als ob der Spiegelsagte:ohne mich ist nichts, ich bin der Urheber. Zu-letzt sind wir selber in das ungeheure System eingefloch-ten und bewegen uns in ihm: immer aber bleibt uns nochgenug des Unerkannten an uns, und das bleibt derTummelplatz unsres Hochmuths. Ja, nachdem wirso viel von der Position des Menschen in der Welt preis-gegeben, findet auf dieser letzten Stätte ein Kampf umdiehöchsten Rechte der Menschheit, einer um Lebenund Tod statt. Es ist der ganze Stolz, und alle Triebedienen ihm dabei! Der höhere Werth der Moralitätwird kühn dem ganzen Weltgesetz entgegengesetzt, undmenschliche Ziele als Ziel der Welt gesetzt. Mitgutundschön undwahr meint man die Ausnahmestellung,seine Göttlichkeit bewiesen zu haben: die Wissenschaftim Dienste der alten Triebe kämpft und vertheidigt denGott im Menschen, nachdem sie ihn sonst hat fahrenlassen, den freien Gott.

223.

Erkenntnistheorie ist die Liebhaberei jener scharf-sinnigen Köpfe, die nicht genug gelernt haben und welchevermeinen, hier wenigstens könne ein jeder von vorneanfangen, hier genüge dieSelbstbeobachtung.