2~jO
2 l6.
Bei unsern jetzigen inductiven Forschern ist derScharfsinn und die Vorsicht geist- und erfindungsreicher(auch phantasievoller), als bei den eigentlichen Philosophen.
217.
(Vgl. oben S. 200, Aph. 44; Menschliches, Allzumenschliches I, Aph. 15.)
Die „Erkenntnisse mit einem Schlage“, die „Intui-tionen“ sind keine Erkenntnisse, sondern Vorstellungenvon hoher Lebhaftigkeit: so wenig eine Hallucinationwahr ist.
218.
(Vgl.'Menschliches, Allzumenschliches I, Aph. I; Götzendämmerang, dieVernunft in der Philosophie, Abschn. 4.)
Es herrscht immer noch die Neigung, alle hoch-geschätzten Dinge und Zustände auf eine noch höhereUrsache zurückzuführen: so dass diese Welt hoher
Dinge gleichsam ein Abglanz einer noch höheren sei.Es scheint also die Verminderung einer Eigenschaftden Menschen natürlicher als eine Steigerung: „das Voll-kommne kann nicht werden, sondern nur vergehen“, isteine uralte Hypothese. Erinnerung an eine frühere,bessere Welt (Präexistenz), oder Paradies im Anfänge,oder Gott als Ursache der Dinge, — alles setzt die gleicheHypothese voraus. „Der werdende Gott“ ist der mytho-logische Ausdruck für die wahren Vorgänge.
219.
(Vgl. oben S. 199, Aph. 41.)
Man glaubte, wenn man die Eigenschaften einesDinges verallgemeinerte, auch seine Ursachen zukennen: und die allgemeinste Verallgemeinerung müsstedie Ursache aller Dinge sein. So sollte die Vollkommen-heit an sich existiren als Wesen, aus dem dann die Tugen-den und die tugendhaften Menschen zu erklären seien.