fast stille stehn, falls sie einmal nur von den vermeint-lichen Motiven geleitet werden sollte. Auch jetzt nochist die Täuschung sehr gross.
163.
Entwickle alle deine Kräfte, — aber das heisst: ent-wickle die Anarchie! Gehe zu Grunde!
164.
Wenn unsre Triebe gleich stark sind und nach ent-gegengesetzten Zielen uns ziehn, entsteht jener Kampfund jene Noth, welche die Moralisten so hoch stellen.Eigentlich ist für viele die Tugend nichts werth, wenn sienicht einen solchen Kampf macht, das heisst: man will,dass die entgegengesetzten Triebe ebenso stark seien! EinLaokoon, der seine Schlangen zerdrückt! Eine pathetischeAttitude !
165.
Die Ehrlichkeit verlangt, dass man anstatt der un-bestimmten moralischen Worte von edlem Klange, wie sieüblich sind, nur die erkennbaren und in der Mischung über-wiegenden Elemente bei Namen nennt, trotz dem Fehlerder Unvollständigkeit und trotzdem, dass diese über-wiegenden Elemente bisher einen bösen Klang hatten; aberwenigstens wird so ein falscher Heiligenschein zerstört.Man soll ein Ding a potiori nennen und nicht a nihilo.
166.
(Vgl. Jenseits, Apk. 187; Götzendämmerung, die vier grossen Irrtkümer,Abschn. 6 und die Verbesserer der Menschheit, Abschn. 1.)
Oft wird ein Trieb missverstanden, falsch gedeutet,zum Beispiel der Geschlechtstrieb, der Hunger, die Ruhm-sucht. Vielleicht ist die ganze Moral eine Ausdeutungphysischer Triebe.