Druckschrift 
11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
Entstehung
Seite
249
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fast stille stehn, falls sie einmal nur von den vermeint-lichen Motiven geleitet werden sollte. Auch jetzt nochist die Täuschung sehr gross.

163.

Entwickle alle deine Kräfte, aber das heisst: ent-wickle die Anarchie! Gehe zu Grunde!

164.

Wenn unsre Triebe gleich stark sind und nach ent-gegengesetzten Zielen uns ziehn, entsteht jener Kampfund jene Noth, welche die Moralisten so hoch stellen.Eigentlich ist für viele die Tugend nichts werth, wenn sienicht einen solchen Kampf macht, das heisst: man will,dass die entgegengesetzten Triebe ebenso stark seien! EinLaokoon, der seine Schlangen zerdrückt! Eine pathetischeAttitude !

165.

Die Ehrlichkeit verlangt, dass man anstatt der un-bestimmten moralischen Worte von edlem Klange, wie sieüblich sind, nur die erkennbaren und in der Mischung über-wiegenden Elemente bei Namen nennt, trotz dem Fehlerder Unvollständigkeit und trotzdem, dass diese über-wiegenden Elemente bisher einen bösen Klang hatten; aberwenigstens wird so ein falscher Heiligenschein zerstört.Man soll ein Ding a potiori nennen und nicht a nihilo.

166.

(Vgl. Jenseits, Apk. 187; Götzendämmerung, die vier grossen Irrtkümer,Abschn. 6 und die Verbesserer der Menschheit, Abschn. 1.)

Oft wird ein Trieb missverstanden, falsch gedeutet,zum Beispiel der Geschlechtstrieb, der Hunger, die Ruhm-sucht. Vielleicht ist die ganze Moral eine Ausdeutungphysischer Triebe.