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11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
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wir uns und schätzen unsern Scharfsinn und unsre Ab-sichten gering. Wären wir nicht Menschen der Rache,so wären wir viel zufriedener: wie es im allgemeinendie Frauen sind, da in diesen das Rachegefühl nicht sostark ist. Das Gewissen wird also durch den Erfolgbestimmt: es verurtheilt nachträglich die Absichten, jaes verfälscht nachträglich die Absichten: die ganze Un-moralität und Unredlichkeit eines Menschen zeigt sichin dem Processe, den ihm sein Gewissen macht. Dasschlechte Gewissen ist ebenso wie das gute Gewisseneines Menschen so dumm, verleumderisch oder lobredne-risch, schmeichlerisch, bequem, als der ganze Menschist. Man hat ein Gewissen nach seinem Niveau.

154 -

Das Häufigste, was geschieht, ist das Sich-selbst-belügen. Das intellectuelle Gewissen ist schwach, unddas andere Gewissen stärker. Reinigung und Kräftigung,nicht Vernichtung von beiden thut noth.

155 -

Wer eine herrschende Leidenschaft hat, der em-pfindet bei der Ausnahmehandlung einen Gewissensbiss,zum Beispiel der Jude (bei Stendhal), der verliebt ist undGeld für ein Armband von seinem Geschäft bei Seitelegt, oder Napoleon nach einer generösen Handlung, derDiplomat, der einmal ehrlich gewesen ist.

156.

(Vgl. Wanderer, Aph. 52.)

Man nimmt verschiedenebeste Dinge vom Urtheilanderer an, (die selber sehr verschieden sind) und ent-deckt, dass sie sich widersprechen: das heisst, man glaubtsein Gewissen in Unruhe.