Druckschrift 
11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
Entstehung
Seite
242
Einzelbild herunterladen
 

2 42

Vorschriften und Kenntnisse des Nützlichen erlangt, er-werben will, verlernt, abweist, das alles ist ein nothwen-diges Wirken seiner Natur. Die Moral kann nichtsthun als Bilder des Menschen aufzustellen wiedie Kunst: vielleicht dass sie auf diesen undjenen wirken. Sie kann sie, streng genommen, nichtbeweisen.Höher undtiefer das sind schon Illu-sionen unter dem Eindruck eines moralischen Musters.Diese Bilder nämlich wirken als Reize, entzünden einenTrieb und verführen den Intellect, ihm zu dienen.Nun ist unser Intellect schon in einer bestimmten Höhe,ebenso unser Geschmack: also werden wir sehr vieleBilder abweisen, sie ekeln uns an: in einem gegebenenAugenblick unsrer Kräfte können wir nicht anders alsdiese Bilder nachahmen. Dieser psychologischeZwang erscheint uns oft alsPflicht: das Gefühl derunbedingten Nothwendigkeit, der Ausdruck der Causali-tät. Das innereMüssen. Zum Beispiel in Hinsicht aufdas Einmaleins, die Mechanik empfinden wir als DenkerPflicht, ebenso bei A = A: Menschen eines schlechtenIntellects fühlen hier den Zwang nicht. Natürlich ist dassubjective Gefühl des Zwanges eben nur subjectiv. VielePersonen haben in nichts ein solches strenges Gefühl.Aber der Ekel, der uns befällt, beim Anblick von Maden,ist ein Zwang: einen solchen Zwang verschönen wir unsmit dem WortePflicht, wo wir genau wissen, dassgegenstrebender Zwang da ist.

150.

(Vgl. Morgenröthe, Aph. 187.)

Entweder man gehorcht als Sclave und Schwacher,oder man befiehlt mit: letzteres der Ausweg allerstolzen Naturen, welche jede Pflicht sich auslegen als