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dürfen kein falsches Vertrauen haben und am allerwenigstenuns weiter auf den Zufall verlassen. Derselbe ist in denmeisten Fällen ein sinnloser Zerstörer. — Die grössteMannigfaltigkeit der menschlichen Existenzbedingungenaufrecht erhalten und nicht mit einem moralischen Codexdie Menschen uniformiren, — dies ist das allgemeinsteMittel, den günstigen Zufall vorzubereiten. — Bisherhat sich die Menschheit keinen Zweck gesetzt, welchensie als Ganzes erreichen will —: vielleicht geschieht eseinmal. Einstweilen, da der Zweck fehlt, ist auch in-zwischen die möglichst grosse Masse solcher Individuenherzustellen, welche individuelles Wohlbefinden haben —was sich gegenseitig bedingt —, das allgemeinste.
142.
Hier wird eine Handlung geschätzt, weil sie demHandelnden schwer fällt, dort eine andere, weil sie ihmleicht fällt, dort eine, weil sie selten ist, dort eine, weilsie nach der Regel ist, dort eine, weil der Beurtheilendesie bei sich für unmöglich hält, dort eine, weil der Be-urtheilende sie überhaupt für unmöglich hält (ein Wunder),dort eine, weil sie für nützlich gilt, dort eine, weil siekeine Rücksicht auf Nutzen zeigt, dort eine, weil derMensch so für sein bestes Heil sorgt, dort eine, weil ernicht dabei für sich sorgt, dort, weil sie Pflicht ist, dort,weil sie Neigung ist, dort, weil sie ohne Neigung gethanwird, dort, weil sie Instinct ist, dort, weil sie hellste Ver-nunft ist: und alles das heisst man gelegentlich sitt-
lich! Man handhabt jetzt die Maassstäbe der verschieden-sten Culturen zugleich und vermag durch diese beinahejedes Ding als sittlich oder als unsittlich abzuschätzen,wie man eben will, das heisst je nach unserm guten oderbösen Willen gegen die Mitmenschen oder gegen uns