Druckschrift 
11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
Entstehung
Seite
238
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Sollte nicht umgekehrt jedes Individuum der Versuch sein,eine höhere Gattung als den Menschen zu er-reichen, vermöge seiner individuellsten Dinge? MeineMoral wäre die, dem Menschen seinen Allgemeincharakterimmer mehr zu nehmen und ihn zu specialisiren, bis zueinem Grade unverständlicher für die andern zu machen(und damit zum Gegenstand der Erlebnisse, des Staunens,der Belehrung für sie).

140.

Wie soll der Mensch handeln? Das ist nur nacheinem Ideal zu messen, entweder was die Menschheit er-reichen soll, oder was der Einzelne erreichen soll. Bis-her gab es solche Muster, die vor Völkern herschwebten(theils lebendige, theils erdichtete) oder vor Religions-gemeinden. Oder vor Parteien, oder der vollkommneKaufmann Soldat Beamte. Oder vor philosophischenSecten. Aber immer bisher vor Mehrheiten. Das Zielist aber: dass jeder sein Musterbild entwerfe und esverwirkliche, das individuelle Muster. Im Entwerfenalle Zeugungskraft und Jugend und Männlichkeit nöthig,alle Einsicht in seine Kraft, Selbsterkenntniss. Jetzt istes noch nicht möglich!

Wir müssen unsre Fehler und Triebe nicht abrechnenbeim Entwerfen unsrer Muster, sondern ihre sublimeForm zu finden wissen.

141.

(Vgl. Morgenrothe, Aph. 108.)

Grundsatz: in der gesammten Geschichte der Mensch-heit bisher kein Zweck, keine vernünftige geheime Lei-tung, kein Instinct, sondern Zufall, Zufall, Zufall, undmancher günstige. Diese sind ins Licht zu setzen. Wir