Menschen entsprechen werde, würde sein ganzes Lebenverzehren. Das Christenthum bezeichnete den Nächstenals den Zielpunkt unserer Handlung-en und überliess esGott, zu bestimmen, wer unsere Nächsten werden sollten;wem dieser religiöse Ausweg nicht offen steht, müsstedoch sagen: ich will mir in Bezug auf die Handlungen,die ich thue, doch nicht jeden beliebigen Nächsten alsObject gefallen lassen, sondern die suchen, zu denenmeine Handlungen am meisten passen, denen sie wirk-lich nützen können. Dazu freilich müsste man seinenNächsten so gut wie sich kennen lernen, und das könntewieder das ganze Leben verzehren.
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(Vgl. Morgenröthe, Aph. ioö; Jenseits von Gut und Böse, Aph. 187;
Götzendämmerung, die Verbesserer der Menschheit, Abschn. 1.)
Zu wissen, „das ist gesund, das erhält am Leben,das schädigt die Nachkommen“, — ist durchaus noch keinRegulativ der Moral! Warum leben? Warum durchaus frohleben? Warum Nachkommen? — Gesetzt, es wäre dasalles angenehmer als das Gegentheil, sterben, krank sein,ohne Nachkommen isolirt sein: so wäre vielleicht irgendetwas angenehmer als diese Annehmlichkeiten, zum Bei-spiel das Gefühl seiner Ehre oder eine Erkenntniss odereine Wollust, deretwegen wir das Sterben oder die Krank-heit oder die Einsamkeit wählen müssten. Warum dieGattung erhalten? Man verweist uns an die Triebe:aber es giebt weder einen Trieb der Selbsterhal-tung, noch einen Trieb der Gattungs-Erhaltung.Das Nichtsein könnte uns werthvoller scheinen als dasSein: dann hat die physiologische Ethik nichts zu sagen.Oder wir uns selber als der Staat, die Gesellschaft, dieMenschheit. Was bestimmt denn das Wertherscheinen?