Druckschrift 
11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
Entstehung
Seite
218
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90 .

(Vgl. Morgenröthe, Aph. 115.)

Alle Menschen sind Sünder, ist eine solche Über-treibung wie:alle Menschen sind Irre, auf welche Ärztegerathen könnten. Hier sind die Gradunterschiede ausserAcht gelassen, und die Worte und die Empfindung, welcheder abnorme äusserste Grad erweckt hat, sind auf dasganze verwandte Seelenleben der mittleren und niederenGrade mit übertragen. Man hat die Menschen schreck-lich gemacht, dadurch dass man eine Abnormität in ihrWesen verlegte.

9 1 -

Die Tugend des Buddhismus ist, zu dem Leid nochfremdes Leid hinzuzunehmen (während alles voll Leid ist).Die Tugend Christi: die Sündenstrafe auf sich zu neh-men, und die Tugend des Christen, freiwillig zu leidennach seinem Vorbild (nicht Mitleiden). Das sind Anfängeder Moral mit dem Zwecke individueller Folgen.Dies der Fortschritt. Der Aberglaube, dass sich mitLeiden eine Schuld tilgen lasse, ein mysteriöser Vor-gang, nicht Abschreckung, nicht Rache, sondern Pur-gation von der Befleckung.

9 2 -

Der Reiz aller Bussprediger, die grosse Machtöffentlich zu verachten! Der Reiz aller Hochmächtigenzur tiefsten Erniedrigung und Hingebung und Abstinenz dämonischer Zauber!

93 -

(Vgl. Fröhliche Wissenschaft, Aph. 285.)

Feuer im Leibe, Schnee auf dem Haupte und denMund voll schwarzer Dämpfe wie der Ätna: Savonarola.