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88 .
Der Mönch, der sich entweltlicht, durch Armuth,Keuschheit, Gehorsam, der namentlich mit der letzterenTugend, aber im Grunde mit allen dreien, auf den Willenzur Macht Verzicht leistet: er tritt nicht sowohl aus der„Welt“ als vielmehr aus einer bestimmten Cultur heraus,welche im Gefühl der Macht ihr Glück hat. Er tritt ineine ältere Stufe der Cultur zurück, welche mit geistigenBerauschungen und Hoffnungen den Entbehrenden Ohn-mächtigen Vereinsamten Unbeweibten Kinderlosen schad-los zu halten sucht.
89.
Der Versuch, sämmtliche moralischen Triebe in denreligiösen Trieb • aufzulösen: Gott befiehlt, und seinet-wegen thut man etwas. Es ist nicht moralisch mehr.Dass man Gott fürchtet oder liebt, ist nicht eine Folgeder Moralität, sondern eine Überlegung des Vortheils.Dies ist der christliche Standpunkt. Es soll nur religiöseHandlungen geben, alle Motive sind egoistische, und diereligiöse Handlung selber wird aus Egoismus gethan. —Oder: jede Handlung ist böse. Also auch diereligiöse. Deshalb Gnadenwahl! — Dagegen sagendie Quietisten: ich handle nicht mehr um meinetwillen,sondern um Gottes willen. Welcher Tiefstand der Selbst-erlcenntniss! Welche Unredlichkeit gehört dazu! Man er-messe es an der Frau, die sagt: „ich thue alles um meinesGeliebten willen!“ Es ist nicht wahr! Ja selbst dies „umdes Geliebten willen“ thut sie um ihren Trieben zufolgen und nicht seinen. Denn da würde sie handelnwie er: was unmöglich ist. Sie kann nur nach dem Bildedes Geliebten handeln, das sie sich von ihm macht: ihrErzeugniss wird gewiss nicht gleich dem Geliebten, son-dern ein Stück von ihr.