Druckschrift 
11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
Entstehung
Seite
216
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Das Christenthum ist aus dem Judenthum hervor-gegangen und aus nichts anderem, aber es ist in dierömische Welt hineingewachsen und hat Früchte hervor-getrieben, welche sowohl jüdisch als römisch sind. Dieses gekreuzte Christenthum hat im Katholicismus eine Formgefunden, bei der das römische Element zum Über-gewicht gekommen ist: und im Protestantismus eine an-dere, bei der das jüdische Element vorherrscht. Diesliegt nicht daran, dass die Germanen, die Träger derprotestantischen Gesinnung, den Juden verwandter sind,sondern dass sie den Römern ferner stehen, als die katho-lische Bevölkerung Süd-Europas.

86 .

Die Liebe Gottes zum Menschen ist die Ausschweifungdes Gedankens von ungeschlechtlich lebenden Menschen:dem Alterthum konnte so etwas nicht einfallen.

87.

Die Spannung zwischen dem immer reiner undferner gedachten Gott und dem immer sündiger gedachtenMenschen einer der grössten Kraftversuche der Mensch-heit. Die Liebe Gottes zum Sünder ist wundervoll. Warumhaben die Griechen nicht eine solche Spannung von gött-licher Schönheit und menschlicher Hässlichkeit gehabt?Oder göttlicher Erkenntniss und menschlicher Unwissen-heit? Die vermittelnden Brücken zwischen zwei solchenKlüften wären Neuschöpfungen, die nicht da sind (Engel?Offenbarung ? Gottessohn ?).