staatlichen Formen, führte die alte Welt in die Schlingedes Christenthums; die Menschen wollen lieber unter-gehen, als sich am Ende wissen, das Ausleben als einzigerZweck des Lebens ist ihnen ein unerträglicher Gedanke;man war seiner selbst und der Welt müde: das Christen-thum machte alles wieder interessant, indem es alleWerthurtheile umdrehte und hinter das Ende aller Dingeein Gericht setzte.
82.
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 71.)
Das Christenthum siegte, wie ein starker Wein siegt;das Alterthum betrank sich, weil es sich nicht mehr starkund froh fühlte und sich an grosse Aufregungen ge-wöhnt hatte. Die Vorstellung vom Ende der Welt nahmsich angesichts des römischen Imperium höchst phan-tastisch und berauschend aus.
83 -
(Vgl. die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen, Bd. X, S. 155 ff*»Antichrist, Cap. 59.)
Das Alterthum schliesst mit einem moralischen undreligiösen Quietismus, — das müde Alterthum. Das In-dividuum allmächtig und einzig sich wichtig haltend, eslegt die Ereignisse aller Welt zu seinem Heil aus,alles was geschieht, hat für es Sinn. Es ist die Astro-logie, auf Staaten, Naturereignisse, Umgang und denZiegel auf dem Dach bezogen: alles hat nur für dasIndividuum einen Sinn, den dies finden kann, davonabgesehn ist es der Aufmerksamkeit des Weisen un-würdig. Die moralisch-religiöse Benutzung und Aus-deutung des Geschehens, — alles andere wurde gleich-gültig und verächtlich. Der wissenschaftliche Sinnunterlag!