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niedrig, insgleichen die Cultur. Dieser naive Stolz! „Ent-rückt und erhoben sein von der Erde. Berühren deshöchsten Weltgrundes im Gefühl“ — eine Art plato-nischer Erkenntniss —, alles Täuschung. Die neuplato-nische Ansicht verschmolz mit dem Christenthum, es sinddie religiosi , die höheren Menschen. Die Reformationverwarf diese Höheren und leugnete die Erfüllung" dessittlich religiösen Ideals und hatte gegen die vita con-templativa viel Bosheit und Widerspruch.
76.
(Vgl. Menschliches, Allzumenschliches I, Aph. 114; Morgenröthe, Aph. 75 ;
Fröhliche Wissenschaft, Aph. 135; Jenseits von Gut und Böse,
Aph. 46.)
Europa hat einen Excess von orientalischer Mora-lität in sich wuchern lassen, wie die Juden ihn aus-gedacht und ausempfunden haben. Man wird nicht dasglücklichste und besonnenste Volk sein, wenn man derart imMoralischen ausschweift und es in’s Göttliche, Menschen-Unmögliche hineinverlegt. Sie sind viel gefangen undunterworfen gewesen, sie haben die orientalische Ver-achtung kennen gelernt dafür, dass sie in ihrem Glaubenhartnäckig waren; sie haben sich gegen diesen Glaubenso benommen wie asiatische Völker gegen ihre Fürsten,kriechend ergeben und voller Angst, auch nicht frei vomGelüst der Unabhängigkeit: so bekamen sie eine un-ruhige, begehrliche, im Heimlichen sich schadlos haltendePhantasie, die Brutstätte jener sublimen anklägerischenMoralität und jenes wilden Heroismus, der sich ebensoin der Hingebung an ihren Heerführer Gott, als in derVerachtung gegen sich selbst kund giebt. Das Christen-thum hat vermöge seiner jüdischen Eigenschaften den Euro-päern jenes jüdische Unbehagen an sich selber gegeben,