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7 2 -
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 68.)
Das Christenthum hat der geistigen Armuth dasHimmelreich verheissen: aber der erste gebildete undgeistreiche Christ hat dem Christenthum seine Dialektikund Rhetorik gegeben, ohne diese wäre es an seinergeistigen Armuth zu Grunde gegangen.
73 -
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 70.)
Das rein geistige Sein ist eine griechische, nichtjüdische Erfindung. Aber die himmlische und die irdischeWelt ist jüdisch. — Die Juden glauben nicht an uner-füllbare Ideale, die „himmlischen Tafeln“ (verwandt mitden platonischen Ideen) verwirklichen sich vollständig,die himmlische Weisheit erscheint adäquat im Gesetz.Anders Plato.
74 -
Das Christenthum gieng in dem Grade bei dem altenTestament in die Schule, als es sich bemühte, eine Welt-religion zu werden. Das weltflüchtige Christenthumbrauchte das alte Testament nicht.
75 -
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 88.)
Das erste Christenthum schätzte am höchsten dieEigenschaften, die zur Mission befähigten, um vor demnahen Ende die Lehre bis an die Grenzen der Erde zutragen (Ehelosigkeit und Verlassen der Güter). — Welt-flucht hiess: das griechisch-römische Leben nicht mit-machen, da das durch und durch auf heidnischer Culturruhte. — Neuplatonismus: Grundannahme, dass wir fürein höheres Leben zu leben hätten, die Erde erschien zu
Nietzsche, Werke II. Abtheilung Band XI. j.