Druckschrift 
11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
Entstehung
Seite
209
Einzelbild herunterladen
 

209

7 2 -

(Vgl. Morgenröthe, Aph. 68.)

Das Christenthum hat der geistigen Armuth dasHimmelreich verheissen: aber der erste gebildete undgeistreiche Christ hat dem Christenthum seine Dialektikund Rhetorik gegeben, ohne diese wäre es an seinergeistigen Armuth zu Grunde gegangen.

73 -

(Vgl. Morgenröthe, Aph. 70.)

Das rein geistige Sein ist eine griechische, nichtjüdische Erfindung. Aber die himmlische und die irdischeWelt ist jüdisch. Die Juden glauben nicht an uner-füllbare Ideale, diehimmlischen Tafeln (verwandt mitden platonischen Ideen) verwirklichen sich vollständig,die himmlische Weisheit erscheint adäquat im Gesetz.Anders Plato.

74 -

Das Christenthum gieng in dem Grade bei dem altenTestament in die Schule, als es sich bemühte, eine Welt-religion zu werden. Das weltflüchtige Christenthumbrauchte das alte Testament nicht.

75 -

(Vgl. Morgenröthe, Aph. 88.)

Das erste Christenthum schätzte am höchsten dieEigenschaften, die zur Mission befähigten, um vor demnahen Ende die Lehre bis an die Grenzen der Erde zutragen (Ehelosigkeit und Verlassen der Güter). Welt-flucht hiess: das griechisch-römische Leben nicht mit-machen, da das durch und durch auf heidnischer Culturruhte. Neuplatonismus: Grundannahme, dass wir fürein höheres Leben zu leben hätten, die Erde erschien zu

Nietzsche, Werke II. Abtheilung Band XI. j.