sich, ganz im Dienste seiner Leidenschaft: was er nichtkennt, schätzt er nicht, er behandelt sich als Maass derDinge, mit der Unerfahrenheit eines einsamen Schäfers,der nur Schafe um sich hat. Sein wunder Punkt ist,dass die Menschen ihm nicht glauben wollen, währender sich selber glaubt: und hierbei wird seine Phantasiegrausam und düster, und er dichtet die Hölle für die,welche nicht an ihn glauben. Sein Mangel an Bildungschützt ihn davor, sich die Entstehung einer Leidenschaftvorzustellen und sich selber einmal objectiv zu sehen:er steht nie über sich (wie zum Beispiel Napoleon). DasFurchtbarste, ewig Unsühnbare der Menschen wurde dasVerschmähen seiner Liebe: — das ist ein gemeiner Zug.Ebenso seine Verdächtigung der Reichen, des Geistes,des Fleisches, — seine Milde und Nachsicht ist kurz undganz egoistisch.
67.
(Vgl. Menschliches, Allzumenschliches I, Aph. 101, u. Wanderer, Aph. 85.)
Wie streng ist man gegen Calvin wegen einerHinrichtung! Und Christus verwies alle, die nicht anihn glaubten, in die Hölle, — und Menschen, noch furcht-barer als er, fügten hinzu: „mit rückwirkender Kraft“.
68 .
(Vgl. Menschliches, Allzumenschliches I, Aph. 30 u. 120; Antichrist, Cap. 50.)
Sie begeistern sich in der Jugend einmal und sinddauernd dafür dankbar, während sie den Gegenständendieser Begeisterung ferner werden: aber an einer Kri-tik hindert sie die Pietät. Die Heiligsprechung nimmtzu im Verhältniss, dass die Begeisterungszeit fernerwird und wir den Objecten uns entrückt fühlen. „Wasuns einmal so erhoben hat, muss die Wahrheit ge-wesen sein!“ „Jetzt stehn wir fern und können es