193
scholtene Familie zu werden. Der Gedanke an Feindequält nie mehr. Nicht Gewissensbisse!
29.
(Vgl. Fröhliche Wissenschaft, Aph. 5.)
Die Entstehung des kategorischen Imperativs istnichts Erhebliches. Gewiss wollen die meisten einenunbedingten Befehl, ein unbedingtes Gebot lieber alsetwas Bedingtes: das Unbedingte erlaubt ihnen, den In-tellect aus dem Spiele zu lassen, und ist ihrer Faulheitgemässer; häufig entspricht es auch einem gewissenHange zur Hartnäckigkeit und gefällt den Personen,welche sich ihres Charakters rühmen. Überhaupt gehörtes in den Bereich des blinden militärischen Gehorsams,zu welchem die Menschen durch ihre Fürsten gezüchtetworden sind: sie glauben, dass es mehr Ordnung undSicherheit giebt, wenn der eine absolut herrscht, derandere absolut gehorcht. So will man auch, dass dermoralische Imperativ kategorisch sei, weil man meint,dass er so der Moralität am nützlichsten sei. Man will denkategorischen Imperativ: das heisst, es soll ein absoluterHerr durch den Willen vieler geschaffen werden, welchesich vor sich und vor einander fürchten: er soll einemoralische Dictatur ausüben. Hätte man jene Furchtnicht, so hätte man keinen solchen Herrn nöthig.
30 .
(Vgl. Morgenrötlie, Aph. 18.)
Hat die Moral den Menschen wirklich mehr Glückoder Unglück gegeben? Und selbst, wenn man anStelle von Glück „mehr Schmerzlosigkeit und geringereSchmerzen“ setzt, kann man noch zweifelhaft bleiben;sie ist das Erzeugniss jener Zeiten, wo, dem andern mit
Nietzsche, Werke II. Abtheilung Band XI.
13