schon genügen, um so schneller erweisen sich die reli-giösen Drohungen als überflüssig. Der Friede also ver-drängt die Religion, die unbestimmten Angstmittel derPhantasie werden nicht mehr nöthig, denn die Ängst-lichkeit vor den bekannten Strafen des Staates und derbürgerlichen Achtung ist schon gross genug. In hochcultivirten Völkern dürften endlich selbst die Strafenhöchst überflüssige Schreckmittel werden; schon die Furchtvor Schande, das Erzittern der Eitelkeit ist so beständigwirksam, dass daraufhin die unsittlichen Flandlungen unter-bleiben. — Die Verfeinerung der Sittlichkeit nimmt mitder Verfeinerung der Furchtsamkeit zu. Jetzt ist dieFurcht vor unangenehmen Empfindungen anderer Men-schen fast die stärkste unserer unangenehmen Empfin-dungen. Man möchte gar zu gerne so leben, dass mannichts mehr thut, als was anderen angenehme Empfin-dungen macht, und selber an nichts mehr Vergnügenhaben, bei dem nicht diese Bedingung mit erfüllt wird.
24.
(Vgl. Genealogie der Moral, erste Abkdlg., Cap. 5.)
Die Edlen, sg&Xol, die Wahrhaften, die sich nicht zuverstellen brauchen! Als Mächtige und: Individuen!
25-
(Vgl. Morgenrötke, Aph. 231, und Genealogie der Moral, erste Abkdlg.,
Cap. 4.)
Höflich (hübsch), gentile, edel, vornehm, noble, genereux,courtoisie , gentleman, — dies bezeichnet die Eigenschaften,welche man an der obersten Kaste wahrnahm und nach-ahmte; somit stammt ein guter Theil der Moralität wahr-scheinlich aus den Instincten dieser Classe, als aus