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entsteht als Anzeichen des Sittlichen die Asketik: Er-tragenkönnen, Wartenkönnen, Schweigenkönnen, Hungern-können, — das ist zum Beispiel die Moralität der Indianer.— Man leitete die verhältnissmässige Sicherheit der Ge-meinschaft von der Fähigkeit ab, sich oft und stark un-angenehme Bilder vor die Seele zu stellen, vermögederen man sich der sofortigen Befriedigung schmerzhafterBedürfnisse enthalten konnte. Es sind die Bilder derStrafen und der Schande, und zwar vor allen die unbe-stimmteren , unheimlicheren Strafen von Göttern undGeistern: während bei den Strafen der weltlichen Ge-rechtigkeit nicht zuerst an die abschreckende Wirkunggedacht werden darf (zumeist handelt es sich bei ihnenum Bussgelder, vermöge deren ein Schaden wieder gutgemacht werden soll). Selbst die Aussicht auf die schmerz-haftesten Strafen der weltlichen Gerechtigkeit, auf Todmit Martern und dergleichen, thut in wilderen Zeitenlange nicht die Wirkung, wie die Aussicht auf Götter-und Geister-Strafen: man fürchtete damals den Tod vielweniger als heute, und war im Ertragen von Martern ge-übt und stolz; um solcher Gründe willen sein Rachegelüst,sein Raubgelüst, seine Wollust in Schranken zu halten,würde man kaum für männlich gehalten haben; andersist es, wenn mit Wahnsinn, Furien, Ausschlag, weissenHaaren, mit plötzlichem Altwerden, mit nächtlichenSchrecken gedroht wird: die Drohung solcher Strafenwirkt. Kurz gesagt, die Furcht, auf der damals dieSittlichkeit ruhte, war die abergläubische Furcht: un-sittlich sein hiess: ohne abergläubische Furchtsein. — Je friedlicher der Zustand eines Gemeinwesensist, je feiger seine Bürger werden, je weniger sie an dasErtragen von Schmerzen gewöhnt sind, um so mehrwerden die weltlichen Strafen als Abschreckungsmittel