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11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
Entstehung
Seite
189
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danken der Furcht (sei dies die Furcht vor der heiligenSitte oder vor der Strafe und Schande, welche die Sitteandroht). An sich ist es auch keineswegs schimpflich,sondern natürlich und billig, dass ein Bedürfniss sofortbefriedigt werde; somit liegt das eigentlich Verächtlichein jenem Mädchen in der Schwäche ihrer Furcht.Sittlich sein heisst: in hohem Grade der Furcht zugäng-lich sein; Furcht ist die Macht, von welcher das Gemein-wesen erhalten wird. Erwägt man andererseits, dassjedes ursprüngliche Gemeinwesen in anderen Stückenaufs höchste gerade die Furchtlosigkeit seiner Mitgliedernöthig hat, so ergiebt sich, dass, was im Falle des Sitt-lichen schlechterdings gefürchtet werden soll, im höch-sten Grade furchtgebietend sein muss; deshalb hat sichdie Sitte überall als göttlichen Willen eingeführt undsich unter die Furchtbarkeit von Göttern und dämonischenStrafmitteln zurückgezogen: so dass unsittlich sein be-deutete: das unbegrenzt Furchtbare nicht fürchten.Von einem, der die Götter leugnete, war man alles ge-wärtig, es war dadurch der fürchterlichste Mensch, denkein Gemeinwesen ertragen konnte: weil er die Wurzelnder Furcht-ausriss, auf denen das Gemeinwesen gewachsenwar. Man nahm an, dass in einem solchen Menschendie Begierde schrankenlos walte: man hielt jeden Men-schen ohne diese Furcht für grenzenlos böse. Nun gehtaber völlige Furchtlosigkeit auf einen Mangel an Phan-tasie zurück; der böse Mensch in diesem Sinne wird immerein Mensch ohne Phantasie sein. Die Phantasie der Gutenwar eine Phantasie der Furcht, eine böse Phantasie,eine andere kannte man noch nicht Die böse Phantasiesollte die böse Begierde niederhalten, das war das alteSittengesetz; die beständige Plerrschaft der Furcht überdie Begierde machte den sittlichen Menschen aus. Daraus