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8 .
(Vgl. Menschliches, Allzumenschliches, Aph. 96 u. Morgenröthe, Aph. 9.)
Es giebt keine Handlung noch Denkweise, die ansich sittlich wären, ohne Rücksicht auf das, was ineinem Land und Volke als Sitte gilt. Wohl wäre es mög-lich, dass ein Philosoph die Menschen eines Landes über-redet, es anders zu empfinden: also an das „An-sich-Sittliche“ zu glauben. Damit ist dann diese Denkweise(der Glaube an das Sittliche) zur Sitte geworden: dasheisst: ein Irrthum gilt hier als sittliches Gebot.
9 -
Das allgemeine Gebot aller Sitten und Moralenheisst: denke nach und fürchte dich, beherrsche dich, ver-stelle dich.
10.
Alles, was wir für uns thun, thun wir um der an-deren willen; aber auch alles, was wir für die anderenthun, thun wir um der anderen willen. Dies ist aberkein „Altruismus“!
11.
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 26, 104 u. 142.)
Jene Moralität, welche am allerstrengsten von jeder-mann gefordert, geehrt und heilig gesprochen wird, dieGrundlage des socialen Lebens: was ist sie denn als jeneVerstellung, welche die Menschen nöthig haben, um mit ein-ander ohne Furcht leben zu können? (So dass der Ein-zelne sich dem andern als gleich giebt und sich benutzenlässt, so wie er einen benutzt). Der allergrösste Theildieser Verstellung ist schon in Fleisch, Blut und Muskelübergegangen, wir fühlen es nicht mehr als Verstellung,so wenig wir bei Begrüssungsworten und höflichen Mienen