ö
wollte er die Vorträge mit Hinzufügung des Schlusses sofortzum Buch ausarbeiten. Noch im März bot er es seinemdamaligen Verleger E. W. Fritzsch in Leipzig zur sofortigenVeröffentlichung an. Um die Aufmerksamkeit der Fachgenossenauf seine Ideen zu lenken, beabsichtigte er, die Schrift der„Allgemeinen deutschen Philologen- und Lehrerversammlung“zu widmen, die im Mai in Leipzig tagte. Diesen Plan aus-zuführen war die Zeit zu kurz, und dann wurden die „Bildungs-anstalten“ durch die „Bayreuther Horizontbetrachtungen“, diefruchtbare Beschäftigung mit den vorplatonischen Philosophenund andre Buchpläne verdrängt. Nietzsche wollte den Dialognoch „künstlerisch umbilden“ und verschob die Ausführung deserst nach „vollständiger Umarbeitung“ zu druckenden Buchs zu-nächst auf den Winter, dann ad calendas graecas: die Wellen derweiteren Entwicklung flutheten drüber hinweg.
Dem Druck dieser Ausgabe ist die Reinschrift zu Grundegelegt, nach der Nietzsche die Vorträge gehalten hat; auch dieerste Niederschrift des Textes ist mehrfach verglichen worden.Von dem nicht gehaltenen sechsten Vortrage liegen nur flüchtigeSkizzen des Gedankenganges in zwei einander widersprechendenEntwürfen vor. Der erste optimistische Plan (S. 340) malt, inder Verbrüderung des Philosophen und des Künstlers Zukunfts-hoffnungen vorwegnehmend, ein Bild der deutschen Cultur, dieaus der Vereinigung der schopenhauerischen Philosophie mitder wagnerischen Kunst hervorblühen soll. In dem zweiten pessi-mistischen Entwürfe (S. 342) hat sich der Künstler in denLitteraten verwandelt, den entarteten Vertreter der heutigenTagesbildung, der alle Hoffnungen des Philosophen bekämpft.Der erste Plan ist früher, der pessimistische später: ihm würdeNietzsche gefolgt sein, wenn er den sechsten Vortrag ausgeführthätte. Uber die Gründe dieser Umwandlung lässt sich folgendesvermuthen. Die Anticipation einer so idealen Zukunft erschienihm zu optimistisch, er selbst fühlte mit wachsender Bitter-keit, wie weit die damalige Gegenwart von solchen Idealenentfernt war: es schien ihm also angemessen, sie durch denVertreter der Zeit und die ihm zufallende studentische Jugend