neue gebildete Standpunkte. Der Philosoph will Sie nichtam Philosophien hindern: erschrecken Sie ihn nur nichtdurch Ihre Pistolen. Machen Sie es heute einmal denjungen Pythagoräern nach: diese mussten fünf Jahreschweigen, als Diener einer rechten Philosophie — viel-leicht bringen Sie es für fünf Viertelstunden auch zuStande, im Dienste Ihrer eignen zukünftigen Bildung,mit der Sie sich ja so angelegentlich befassen.“
Wir waren an unserem Ziele: unsre Erinnerungs-feier begann. Wieder wie damals vor fünf Jahrenschwamm der Rhein in einem zarten Dunste, wieder wiedamals leuchtete der Himmel, duftete der Wald. Dieentlegenste Ecke einer entfernten Bank nahm uns auf;hier sassen wir fast wie versteckt und so, dass weder derPhilosoph noch sein Begleiter uns in’s Gesicht sehenkonnten. Wir waren allein; wenn die Stimme desPhilosophen gedämpft zu uns herüberkam, war sie in-zwischen unter der raschelnden Bewegung des Laubes,unter dem summenden Geräusch eines tausendfältigenwimmelnden Daseins in der Höhe des Waldes fast zueiner Naturmusik geworden; sie wirkte als Laut, wie eineferne eintönige Klage. Wir waren wirklich ungestört.
Und so vergieng eine Zeit, in der das Abendrothimmer mehr verblasste, und die Erinnerung an unsrejugendliche Bildungsunternehmung immer deutlicher voruns aufstieg. Es schien uns so, als ob wir jenem sonder-baren Aperem den höchsten Dank schuldig seien: er waruns nicht etwa nur ein Supplement für unsre Gymnasial-studien gewesen, sondern geradezu die eigentliche frucht-bringende Gesellschaft, in deren Rahmen wir auch unserGymnasium mit hineingezeichnet hatten, als ein einzelnesMittel im Dienst unseres allgemeinen Strebens nachBildung.