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Frage ist: wie ist dies möglich? Bei der schrecklichenNatur des Willens? Nur durch eine Vorstellung,subjectiv: durch ein vorgeschobenes Wahngebilde, dasdas Gelingen des gierigen Weltwillens vorspiegelt. DasSchöne ist ein glücklicher Traum auf dem Gesichteeines Wesens, dessen Züge jetzt in Hoffnung lächeln.Mit diesem Traum, dieser Ahnung im Kopfe sieht Faust„Helena“ in jedem Weibe. Wir erfahren also, dass derIndividualwille auch träumen kann, ahnen kann, Vor-stellungen und Phantasiebilder hat. Der Zweck derNatur in diesem schönen Lächeln seiner Erscheinungenist die Verführung anderer Individuen zum Dasein. DiePflanze ist die schöne Welt des Thieres, die gesammteWelt die des Menschen, das Genie die schöne Welt desUrwillens selbst. Die Schöpfungen der Kunst sinddas höchste Lustziel des Willens.
Jede griechische Statue kann belehren, dass dasSchöne nur Negation ist.
Der Wohlklang beweist, wie richtig der Satz vonder Negativität ist.
Die platonische Idee ist das Ding mit der Negationdes Triebes, oder dem Schein der Negation des Triebes.
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Schönheit tritt ein, wenn die einzelnen Triebe einmalparallel laufen, aber nicht gegen einander. Dies ist einGenuss für den Willen.
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Wenn das Schöne auf einem Traum des Wesensberuht, so das Erhabene auf einem Rausche desWesens. Der Sturm auf dem Meere, die Wüste, diePyramide. Ist das Erhabene der Natur eigenthümlich?
Nietzsche, Werke II. Abtheilung Band I. 12