Druckschrift 
9 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 1 (1896) Schriften und Entwürfe 1869 bis 1872 : Homer und die classische Philologie; Nachträge und Vorarbeiten zur Geburt der Tragödie; Empedokles; Homer als Wettkämpfer; Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten; Bayreuther Horizontbetrachtungen; Das Verhältnis der Schopenhauerischen Philosophie zu einer deutschen Cultur
Entstehung
Seite
173
Einzelbild herunterladen
 

173

2 .

Das Individuum, empirisch betrachtet, ein Schrittzum Genius. Es giebt nur ein Leben: wo dieses er-scheint, erscheint es als Schmerz und Widerspruch. DieLust allein in der Erscheinung und Anschauung möglich.Die reine Versenkung in den Schein das höchste Daseins-ziel: dorthin, wo der Schmerz und der Widerspruch nichtvorhanden erscheint. Wir erkennen den Urwillen nurdurch die Erscheinung, das heisst unsre Erkenntnissselbst ist eine vorgestellte, gleichsam ein Spiegel desSpiegels. Der Genius ist das als rein anschauendVorgestellte: was schaut der Genius an? Die Wandder Erscheinungen, rein als Erscheinungen. Der Mensch,der Nicht-Genius, schaut die Erscheinung als Realität anoder wird so vorgestellt: die vorgestellte Realität, alsdas vorgestellte Seiende, übt eine ähnliche Kraft wde dasabsolute Sein: Schmerz und Widerspruch.'

Begriff des Naiven und Sentimentalen ist zusteigern. Völlige Verschleierung durch Trugmecha-nismen istnaiv, die Zerreissung derselben, die denWillen zu einem Notligespinnst nöthigt, istsentimen-tal is ch.

3 -

Zweck der Welt ist das schmerzlose Anschauen,der reine ästhetische Genuss: diese Welt des Scheinssteht im Gegensatz zur Welt des Schmerzes und desWiderspruchs. Je tiefer unsre Erkenntniss in das Ur-sein geht das wir sind um so mehr erzeugt sichauch das reine Anschauen des Ureinen in uns. Derapollinische Trieb und der dionysische in fortwährendemFortschreiten, der eine nimmt immer die Stufe des an-