wären? Wir leiden als reiner Wille, aber unsre Er-kenntnis richtet sich nicht gegen den Willen, wir sehenuns nur als Erscheinungen. Wir’wissen gar nicht,was wir leiden, als reiner Wille. Sondern wir leidennur als vorgestellte Leidende. Nur dass wir esnicht sind, die uns als Leidende zuerst vorstellen. Wiekann aber eine leidend gedachte Visionsgestalt wirklichleiden? Es kann ja nichts Vorgehen, weil nichts wirklichda ist — was leidet denn eigentlich? Ist nicht das Leidenebenso unerklärbar wie die Lust? Wenn zwei Corti’scheFasern sich gegeneinander schlagen, warum leiden sie?Der eigentliche Process des Schlagens ist ja doch nureine Vorstellung, und die sich schlagenden Fasern eben-falls. Somit können wir sagen, dass der Schmerz deskleinsten Atoms zugleich der Schmerz des einen Willensist: und dass aller Schmerz ein und derselbe 'ist: dieVorstellung ist es, durch die wir ihn als zeitlich undräumlich wahrnehmen, bei Nichtvorstellung' nehmen wirihn gar nicht wahr. Die Vorstellung ist die Verzückungdes Schmerzes, durch die er gebrochen wird. In diesemSinne ist der ärgste Schmerz doch noch ein gebrochener,vorgestellter Schmerz, gegenüber dem Urschmerz deseinen Willens.
Die Wahnvorstellungen als Verzückungen, um denSchmerz zu brechen.
Vor Schmerz sich selbst zerfleischen — das ist dasBöse, das immer der reinen A^erzückung in der An-schauung entgegenkämpft. Der eine Wille schafft auchhierzu eine Wahnvorstellung und bricht hierdurch dieMacht des Bösen, das, wie der Schmerz in der Er-scheinungswelt ein unendlich kleiner ist, auch in der Er-scheinungswelt nur unendlich klein erscheint. Scheinbarwendet sich Erscheinung gegen Erscheinung, in Wahr-