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9 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 1 (1896) Schriften und Entwürfe 1869 bis 1872 : Homer und die classische Philologie; Nachträge und Vorarbeiten zur Geburt der Tragödie; Empedokles; Homer als Wettkämpfer; Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten; Bayreuther Horizontbetrachtungen; Das Verhältnis der Schopenhauerischen Philosophie zu einer deutschen Cultur
Entstehung
Seite
167
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kleinen Schmerz- und Willensatomen, deren Leid nurder eine Wille leidet, deren Vielheit wiederum die Folgeder Verzückung des einen Willens ist. Wir sind somitunfähig, das eigentliche Leid des Willens zu leiden,sondern leiden es nur unter der Vorstellung und derVereinzelung in der Vorstellung. Also: die einzelneProjection des Willens (in der Verzückung) ist ja realnichts als der eine Wille: kommt aber nur als Projectionzum Gefühl seiner Willensnatur, das heisst in den Bandenvon Raum, Zeit, Causalität, und kann somit nicht dasLeid und die Lust des einen Willens tragen. DieProjection kommt zum Bewusstsein nur als Erscheinung,sie fühlt sich durch und durch nur als Erscheinung, ihrLeiden wird nur durch die Vorstellung vermittelt unddadurch gebrochen. Der Wille und dessen Urgrund,das Leid, ist nicht direct zu erfassen, sondern durch dieObjectivation hindurch.

Denken wir uns die Visionsgestalt des gefoltertenHeiligen: diese sind wir: wie nun leidet wieder dieVisionsgestalt und wie kommt sie zur Einsicht in ihrWesen? Der Schmerz und das Leid muss mit indie Vision übergehn, aus der Vorstellung des Ge-marterten: nur empfindet er ihre Visionsbilder, als An-schauender, nicht als Leid. Er sieht gequälte Gestaltenund schreckliche Dämonen: diese sind nur Bilder, unddas ist unsre Realität. Aber dabei bleibt immer dasFühlen und Leiden dieser Visionsgestalten ein Räthsel.

Auch der Künstler nimmt Harmonien und Dishar-monien in seine Vorstellung.

Wir sind der Wille, wir sind Visionsgestalten: worinaber liegt das Band? Und was ist Nervenleben, Gehirn,Denken, Empfinden? Wir sind zugleich die An-schauenden es giebt nichts als die Vision anzuschauen